Die Brüder Kittel
Unsere Dornumer Maler: Das künstlerische Erbe der Brüder Ludwig und Georg Kittel

Heimat als Motiv: Menschen und Landschaften Ostfrieslands
Die heimatliche Umgebung war der zentrale Schaffensbereich der Brüder. In ihren Bildern hielten sie die Menschen und die herbe Schönheit der norddeutschen Küstenlandschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fest. Auch im privaten Bereich nutzten sie ihre Kunst: So dokumentiert eine kunstvolle Geburtstagskarte von Ludwig Kittel für seinen Freund Carl-Friedrich Eucken (Landwirt auf dem Wilhelminenhof in Dornumergrode) ihre tiefe Verwurzelung in der lokalen Gemeinschaft.
Talent in der Provinz: Herausforderungen und Wege
Es war im frühen 20. Jahrhundert nicht einfach, in der Provinz ein besonderes Talent zu entfalten, da es oft an Anerkennung und Ausbildungsmöglichkeiten fehlte. Markante Beispiele aus der Nachbarstadt Esens zeigen, dass viele Talente die Heimat verlassen mussten:
- Theodor Thomas gründete in Chicago ein Symphonieorchester.
- Sara Oppenheimer wurde gefeierte Opernsängerin in Frankfurt.
- Hinrich Fokken zog nach Bremen, um sich dort der Malerei widmen zu können.
Die Brüder Kittel hatten jedoch das Glück, in ein wohlhabendes Elternhaus hineingeboren zu sein. Da ihr ältester Bruder die väterliche Apotheke übernahm, konnten Ludwig und Georg ihre berufliche Laufbahn freier wählen.
Ludwig Kittel: Ingenieurgeist und Liebe zur Seefahrt
Ludwig fühlte sich zunächst den Ingenieurwissenschaften hingezogen, bis er sein Zeichentalent entdeckte. Reich wurde er in der Provinz mit der Kunst zwar nicht, doch er war finanziell nicht darauf angewiesen. Er blieb zeitlebens unverheiratet und lebte im Dornumer Elternhaus.
Neben seinem künstlerischen Schaffen gestaltete er grafisch den bekannten „Oostfreesland – Kalender für Jedermann“ im Soltau-Verlag und entwarf Denkmale für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Ein besonderes Highlight seines Wirkens ist das Logbuch des Segelkutzers LEONIE, das er zwischen 1910 und 1913 auf Fahrten mit seinem Freund Eucken mit humorvollen Zeichnungen illustrierte.
Georg Kittel: Von der Musik zur akademischen Malerei
Der elf Jahre jüngere Bruder Georg schwankte zunächst zwischen Musik und Kunst. Auf einer Studienreise durch Italien entdeckte er seine Leidenschaft für die Malerei und absolvierte eine gründliche Ausbildung an verschiedenen Kunstakademien. Nach einer Zeit als freischaffender Künstler in Braunschweig wirkte er ab 1918 als Kunsterzieher in Neustettin (Pommern).
Nach der Flucht im Jahr 1945, bei der er sein gesamtes bisheriges Werk zurücklassen musste, kehrte er nach Dornum zurück. Hier griff er die Malerei wieder auf und fand mit Ausstellungen in Aurich, Leer und Leer große regionale Anerkennung.

























