HIN UND HER

von Jan F. Kegler, Axel Heinze und Paul Weßels • 23. Oktober 2024

Rohkreisläufe an der ostfriesischen Nordseeküste

Abb. 1 
Dampfziegelei  
Ditzum van der 
Wall in Ditzum.
Die ostfriesische Halbinsel war immer schon bekannt als eine abseits gelegene rohstoffarme Region. Aus der Sicht der Geologie bietet Ostfriesland nur junges Lockersediment des Eiszeitalters und der jetzigen Warmzeit. Dazu gehören Sande, Tone der vorletzten Warmzeit, Geschiebemergel der vorletzten Kaltzeit und schließlich Torf, mariner Klei sowie Muschelschalen aus dem Holozän. Diese Ablagerungen fanden bereits früh als Rohstoffe für die Bauwirtschaft Verwendung. Aus Ton und Klei, aber auch aus Geschiebemergel, lassen sich Ziegel brennen, und Sand wird dabei als Magerung genutzt. Weißtorf, der jüngere und deutlich schwächer zersetzte Torf aus den obersten  Schichten des Hochmoors, war das bevorzugte Heizmaterial für die Ziegelöfen. Muschelschalen wurden bereits seit dem Mittelalter von den Muschelbänken gewonnen und als Rohstoff zur Kalkgewinnung gebraucht.  

Um diese Stoffe zusammenbringen zu können, gewann ein weiteres Merkmal der ostfriesischen Landschaft an Bedeutung: Das Land ist nicht nur flach mit einem sehr gering ausgeprägten Relief, sondern wird auch von zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Diese konnten für einen Transport mit kleinen Schiffen genutzt werden. Belege für den Transport von Waren über Wasser reichen bis in die Römische Kaiserzeit und das frühe Mittelalter zurück (Kegler/Thiemann, AiN 17, 2014, 121–124; Siegmüller/Kegler, AiN 26, 2023, 37–41). Bis zum 19. Jahrhundert hatte sich in den Ems-Häfen, den Sielhäfen und in den Fehnkolonien eine effektive Segelschifffahrt entwickelt, die den Transport von Rohstoffen innerhalb Ostfrieslands und über die Nordsee übernehmen konnte. 
Ab dem 12. Jahrhundert setzte sich nördlich der Alpen die Bauweise mit Backsteinen durch, und im 13. Jahrhundert folgte auch im steinarmen Ostfriesland die Herstellung und Verwendung von Backsteinen. In der Frühphase des Backsteinbaus fanden bevorzugt die oberflächennah anstehenden Tone bei der Errichtung von Kirchen und Steinhäusern (Burgen) Verwendung. 

Einen starken  Aufschwung erlebte die regionale Herstellung von Backsteinen ab dem 16. und besonders im 17. Jahrhundert durch die Übernahme von Verarbeitungstechniken für Klei (Hochflutlehme) aus den benachbarten Niederlanden. Aber eine wirkliche „Hochkonjunktur“ für Ziegelsteine und Dachziegel erfuhren die ländlichen Gebiete Ostfrieslands erst im ausgehenden 18. und im beginnenden 19. Jahrhundert. Der Grund hierfür lag vor allem in der hohen Qualität des aus Klei gebrannten Ziegels, der in Bremen, Hamburg und in den Ostseestädten begehrt war und sich als Ballast für die Schifffahrt aus einem Land eignete, das ansonsten nicht viel zu verkaufen hatte (Abb. 1).  
Die Produkte Kalk und Stein sind nur gemeinsam denkbar. Seit dem Hochmittelalter dienten die Muschelbänke der Nordsee als Ersatz für die in Ostfriesland fehlenden Kalkbrüche. Der sogenannte Schill konnte bei den ostfriesischen Inseln gewonnen und von den Schiffern auf dem Wasserweg an geliefert werden. Für die Kalkproduktion in den Meileröfen benötigte man außerdem den leichten Weißtorf. Kalk wurde aber nur ausnahmsweise ausgeführt. Ein Blick in die Statistiken der preußischen Zeit zeigt, dass sich die Kalkbrennerei insgesamt gleichmäßig auf alle ostfriesischen Ämter und hier vornehmlich auf Städte und größere Orte Küste verteilte. Offenbar wurde gebrannt und dann direkt vor Ort verkauft. Das Brennen von Muschelkalk in Meilern ging in Ostfriesland gegen Ende des 19. Jahrhunderts stark zurück. 

1877 gab es in Ostfriesland nur noch acht Muschelkalkbrennereien, aber bereits vier Steinkalkbrennereien. Gleichzeitig entwickelte sich aber noch einmal eine industrielle Muschelkalkgewinnung, die erst nach 1974 geschlossen wurde.  
Der als Brennmaterial für die Produktion von Backsteinen und Muschelkalk notwendige Weißtorf wurde in den Fehnkolonien gewonnen und konnte mit den Torfschiffen kostengünstig und energiearm transportiert werden. Während der Schwarztorf auf den Torfmärkten der Städte für den Hausgebrauch verkauft wurde, lieferte man den Weißtorf an die Ziegeleien und Kalkbrennereien. 
 In den Fehnkolonien führten die schlechten Bodenqualitäten zu einem erhöhten Bedarf an Düngestoffen. Zu diesen gehörte Stallmist und jede Form von Unrat aus den Städten, aber auch die Erde von Wurten, die seit dem 19. Jahrhundert gezielt abgegraben wurden. Die Düngestoffe konnten die Torfschiffe mit zurück auf ihr Fehn nehmen.  

Für den Transport der Güter nutzte man Flachboden-Schwertboote. Dieser aus den Niederlanden stammende Segelschifftyp hatte einen geringen Tiefgang und verfügte über einen flachen Schiffsrumpf. Damit eignete er sich hervorragend für Fahrten im Watt und für flache Küsten- und Binnen gewässer. Der Transport der Ziegelsteine von den Ziegeleien in die Städte entlang der Nordseeküste wurde von größeren Segelschiffen wie den Tjalk-Booten übernommen, die auf den Fehnen und in den Sielhäfen beheimatet waren. Auch hier konnten auf dem Rückweg Sand oder Düngematerialien, die in den Fehnkolonien benötigt wurden, aufgenommen werden (Abb. 2).  

Abb. 2  
Verladen von  Klinkern aus Fulkum im Sielhafen 
von Westaccumersiel 1922 für den Bau des Chilehauses in Hamburg

Damit entwickelte sich in Ostfriesland insbesondere in der vor- und frühindustriellen Zeit zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert ein Transportkreislauf an Massengütern, der nicht zuletzt durch die Ziegelproduktion zu einem wirtschaftl ichen Aufblühen der Region führte. Neben den Grundstoffen aus der Region handelte man auch mit ortsfremden Materialien, wie beispielsweise mit Bauholz und später auch mit Zement. Gleichfalls wurden Lebensmittel wie Getreide, Gemüse, Kartoffeln und Ähnliches zu den Märkten und Bauorten befördert. 

Zu den schriftlichen Quellen für den Materialtransport auf dem Wasserweg gehören Berichte über die Hafenumschläge der Ems- und Sielhäfen oder Schleusenlisten der Fehnkolonien. Letztere belegen für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beispielsweise eine überproportional häufige Ausfuhr von Torf und Wiekenerde (vermutlich der Aushub der als Wieken bezeichneten Seitenkanäle). Bei der Einfuhr dominierten Dünger, Kleierde (vermutlich aus Wurten-Abgrabungen) und Muscheln (vermutlich in Form von Schill). 




Abb. 3  
Freilegung des 
Wracks eines Plattbodenschiffes bei Ostbense durch Freiwillige.

Archäologische Belege für die Materialkreisläufe entlang der Nordseeküste finden sich im Wattenmeer und an Sandstränden der ostfriesischen Inseln. Dort werden bis heute immer wieder Wracks von Holzschiffen freigespült (Abb. 3). In einem Priel bei Butjadingen fanden sich Reste einer Ladung aus Backsteinen, die allerdings von der Friesischen Wehde stammten (J. Fries, AiN 14, 2011, 71–74). 


Das Industriezeitalter führte zu starken Veränderungen innerhalb dieses Warenkreislaufes. Zum Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich Stahl als wichtigster Werkstoff im Schiffbau durch. Gleichzeitig wuchsen die Größen der Schiffe, so dass, von der Ems abgesehen, die Wasserläufe und Häfen nicht mehr befahrbar waren. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging der Bedarf an Torf als Brennstoff für die Ziegeleien stark zurück. Mit dem Aufkommen der Ringöfen wurde nun Kohle für den effektiven Brand importiert. Dennoch neigte sich das Ziegeleiwesen an der Ems in einem etwa 100 Jahre währenden Prozess langsam dem Ende entgegen. 


Die Ziegelproduktion in den abseits gelegenen ostfriesischen Regionen war nicht mehr konkurrenzfähig. Überdies verlor der Backstein als Handelsgut zunehmend an Wert. Ab dem frühen 20. Jahrhundert ging schließlich der inzwischen verstärkt zur Stromerzeugung genutzte Torf zur Neige. 

Dieser historische Güterkreislauf hat seine Spuren in der Landschaft hinterlassen. Das System der Wasserwege blieb weitgehend erhalten, da es in dieser flachen Landschaft vor allem weiter für die Entwässerung und Wasserwirtschaft benötigt wurde. Teilweise wird das Wasserwegenetz heute zusätzlich durch die Sportschifffahrt genutzt, wodurch sich die Wirtschaft des Landes in eine ganz andere Richtung entwickelt. Der Torfabbau hat mit den Fehnkolonien einen eigenen landschaftsprägenden Siedlungstyp geschaffen. Schließlich wurde der rot geb rannte Ziegel zum charakteristischen Baumaterial. Rote Klinker, Dachpfannen und Straßenpflastersteine prägen das Landschaftsbild der Nordseeküstenregion. 


Spuren dieser Prozesse lassen sich auch mit archäologischen Untersuchungen aufspüren.  Ähnlich wie in den niederländischen Provinzen Friesland und Groningen – wenn auch in viel geringerem Maße – sind in Ostfriesland einige der küstennahen Wurten während des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts teilweise abgegraben und die sehr fruchtbare Wurtenerde abtransportiert und verhandelt worden. Diese Naturdüngererde war sehr gefragt, da sie zur Bodenverbesserung auf die abgetorften, kargen Flächen im Fehn und im Moor aufgetragen wurden. Lübbert Eiken Lübbers beschreibt 1903 Torfschiffer, die: „…zur Melioration des Fehnuntergrundes für sein eigenes Besitztum oder zum Weiterverkauf Warferde,  Schliek oder Stalldünger …“ mitgenommen haben. Für solche Vorgänge liegen aus dem ostfriesischen Raum allerdings kaum schriftliche Belege vor, so dass nur die Betrachtung der Oberflächendaten Hinweise auf diese Ereignisse gibt. Das im 19. Jahrhundert in den nördlichen Niederlanden systematisch angewandte Prinzip der Düngung mit Wurtenerde war in Ostfriesland wegen des weniger gut ausgebauten Systems der Wasserwege problematisch, weil dadurch der Transport der Erde wesentlich erschwert und verteuert wurde. Dadurch blieb die Küste in Ostfriesland wesentlich besser erhalten als in den nördlichen Niederlanden. 

Abb. 4  
Streufunde frühmittelalterlicher 
Muschelgrusware aus Strackholt, Ldkr. Leer.

In einigen ehemaligen Torfabbaugebieten wurden bei Flurbegehungen zahlreiche Keramikfunde aus einer Zeit entdeckt, in der an diesen Stellen noch ein Hochmoor existierte. Aus Aurich-Oldendorf, Ostgroßefehn, Strackholt (Abb. 4) und Wrisse, alle in der Gemeinde Großefehn, werden beispielsweise in der Niedersächsischen Fundchronik aus dem Jahr 1987 dreizehn Fundstellen mit Rand-, Wand- und Bodenscherben genannt, die in den Zeitraum zwischen der Römischen Kaiserzeit und der frühen Neuzeit datieren. An keiner der Fundstellen konnten bis heute Hinweise auf eine Siedlungstätigkeit innerhalb dieser Epochen nachgewiesen werden. Tatsächlich lassen sich diese Fundstücke mit den Transporten von Dünger und Erde aus der Marsch in die Fehnkolonien erklären. Das archäologische Material wurde also im Zuge der Rohstoffkreisläufe des 18. und 19. Jahrhunderts sekundär auf die Felder aufgebracht. 

Die großflächigen Veränderungen der Naturlandschaft Ostfrieslands in eine Kulturlandschaft wirken sich negativ auf den Erhalt des Bodenarchivs aus. Zwar sind von der ostfriesischen Halbinsel einige Moorleichen bekannt geworden, jedoch sind diese mit einer Ausnahme alle verloren. Mit der Industrialisierung des Torfabbaus stehen die Chancen auf weitere Funde eher schlecht. Vermutlich ist die Fundstelle eines potentiellen römischen Militärlagers an der Ems durch den großflächigen Abbau von Klei zur Ziegelherstellung bereits verloren gegangen. Auch auf die Umwelt hat der massive Abbau von Torf bis heute Einflüsse. So sind durch das Abgraben von meterdicken Torflagen und Kleiflächen an der Ems zahlreiche Flächen durch aufsteigendes Grundwasser und steigende Meeresspiegel überflutungsgefährdet und müssen durch aufwendige Schutzmaßnahmen bewahrt werden.  

Literatur:

Wurtenlandschaft als typische Kulturlandschaft 

LÜBBERS, L. E.: Ostfrieslands Schiffahrt und Seefischerei. Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Ergänzungsheft VII. Tübingen 1903. 

WESSELS, P.: Ziegeleien an der Ems. Ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte Ostfrieslands. Abhandlungen und Vorträg e zur Geschichte Ostfrieslands 80. Aurich 2004. 

WIECHERS, K.-H.: …und fuhren weit übers Meer: zur Geschichte der ostfriesischen Segelschiffahrt. Teil 3: Die Fehne. Norden 1994.

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25. Mai 2021
Bekanntlich ist Ostfriesland mit Deichen gegen die Gewalt des Meeres geschützt. Diese grünen endlosen mächtigen Wälle kennt jeder. Sie halten das salzige Nordseewasser draußen, vor allem bei Stürmen, aber auch bei normaler Ebbe und Flut. Aber Deiche haben auch eine andere Wirkungen. Sie halten das Regenwasser drinnen, es kann ja nicht über den Deich klettern. Wenn Menschen einen Deich bauen, müssen sie etwas bedenken, um das – manchmal reichliche –- Regenwasser ins Meer zu schaffen. Und diese Einrichtung nennt man „Siel“. Zu Anfang des Deichbaus war das eine hölzerne Röhre durch den Deich. Außen war eine Klappe davor. Bei Niedrigwasser konnte das Wasser die Klappe selbst aufdrücken und frei abfließen. Kam draußen die Flut, drückte sie die Klappe zu. Dann musste das Salzwasser draußen bleiben.
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25. Februar 2021
Ein interessanter Aufsatz, den Axel Heinze als Festschrift anlässlich der Verabschiedung von Dr.Bärenfänger (Landschaftsdirektor) verfasste. Auslöser dieser Überlegungen ist das vielfach geäußerte Interesse von Einwohnern des Harlingerlandes an der Weihnachtsflut von 1717 und den Auswirkungen dieser Sturmflut in diesem Gebiet, denn diese Katastrophe hatte wohl hier ihren Schwerpunkt. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Augenzeugenberichte, die auch sehr detaillierte Aussagen über das Ausmaß der Schäden erlauben. Trotz der nahezu völligen Zerstörung vieler Siedlungen in der Marsch wurden sie sehr schnell wiederhergestellt und bewohnt, obwohl sich solche Ereignisse doch jederzeit wiederholen konnten. Daraus folgt unmittelbar die Frage: Warum haben Menschen diesen lebensgefährlichen Raum überhaupt erschlossen und welche Fehler haben sie vielleicht bei der Erschließung gemacht? Marsch Unter „Marsch“ wird hier die fast flache Landschaft an einer Gezeitenküste verstanden, die bei normaler Flut nicht überflutet wird, aber bei Sturmfluten – also windbedingt erhöhten Wasserständen – mehrfach im Laufe eines Winters mehr oder weniger vom Wasser überdeckt wird. Handelt es sich um den Küstenbereich eines Meeres, so wird sie von Salzwasser überflutet (Küstenmarsch). In den Ästuarien wird das Wasser zunehmend brackisch bis schließlich ganz süß (Flussmarsch). Dieser Faktor ist entscheidend für die Pflanzengesellschaften, die sich hier entwickeln. Zudem ist die Sedimentation unterschiedlich, aber die Prozesse sind weitgehend vergleichbar (Zur Entstehung des Naturraumes siehe Behre 2008; 2014). Ein weiterer notwendiger Faktor ist ein langsames Anwachsen des Meeresspiegels gegenüber der Landeshöhe. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Meeresspiegel wirklich steigt oder der Boden sinkt, die Auswirkung bleibt gleich. Natürliche Höhenunterschiede ergeben sich zum Beispiel durch Uferwälle an Wasserläufen, wo vor allem oberhalb von Prallhängen relativ grobes Material abgelagert wird. Je nach Größe des Gewässerlaufes können solche Wälle Höhen von mehr als einem Meter erreichen, sind aber in ihrer Längenausdehnung immer beschränkt. Anders ist die Entwicklung parallel zur Küstenlinie. Auch hier wird bei Überflutungen gröberes Material in einigem Abstand von der Küstenlinie weitflächig abgelagert und bildet einen flacheren, aber wesentlich breiteren und oft sehr langen küstenparallelen Wall. Für dieses Phänomen wird in der niederländischen Geologie der Begriff „Kwelderwall“ benutzt, der sich als „Küstenwall“ übersetzen lässt. Bäume sind in der natürlichen Küstenmarsch kaum zu erwarten, da unsere Baumarten keinen Salzgehalt im Wasser vertragen. Die dominierende Pflanzenart ist das Schilf (Phragmitis) mit einer recht guten Salzresistenz und einer sehr guten Wasserverträglichkeit. Zudem stellt es keine besonderen Ansprüche an die Bodenart, solange genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Die Bodenarten sind in der Marsch sehr unterschiedlich. An Korngrößen stehen nur Sand, Ablagerung, da Überflutungswasser hier oft lange Zeit steht und so auch Tonmineralien zur Ablagerung kommen, während Sand hier nicht mehr hingelangt und der Schluff-Anteil immer geringer wird. Schlick entsteht vor allem in der Übergangszone von Salz- und Süßwasser durch Ausfällung und biologische Prozesse, so dass er in der Flussmarsch dominiert und Schluff und Tonmineralien zur Verfügung. Auf den „Wällen“ dominieren Sand und Schluff, eventuell noch begleitet von einzelnen Muschelschalen, da hier die Wasserbewegung für feinere Sedimente zu groß ist. Weiter entfernt von Küste und Wasserläufen gelangt nur Schluff mit unterschiedlich hohen Tonanteilen zur mit zunehmendem Abstand von Fließrinnen fast nur noch als Ton mit einem geringen Schluff-Anteil abgelagert wird.
Mirja Harms im Zwei-Siele-Museum
4. September 2020
Auf diesem Foto hat Mirja Harms noch gut 300 Arbeitsstunden und zwölf Wochen vor sich! (Bild: Handwerkskammer) Mittlerweile ist die Wand freigelegt und strahlt im alten Glanz. Im folgenden Bereicht, der am 03.09.20 im Anzeiger für Harlingerland erschien, erfahren Sie neben den Informationen zur Wandfreilegung auch etwas über Mirja Harms und ihren überaus interessanten Beruf als Restauratorin.
Denkmalschutz Naturschutz
22. August 2019
Wir hatten das Haus „Am alten Hafen 1“ in Westeraccumersiel erworben, um es zu sanieren und dort das „Zwei-Siele-Museum“ und die K.-H.-Wiechers-Stiftung unterzubringen. Aber bei genauerer Besichtigung des Gebäudes ergab sich ein Hindernis, mit dem wir zunächst nicht gerechnet hatten. Das Haus war immer unbeheizt gewesen, da es nur im Sommer genutzt wurde. Gleichzeitig war der Keller oder besser das ‚Niederhaus‘ durch mangelnde Drainage immer etwas feucht. Zudem fiel durch die Fenster in nordwestlicher Richtung immer ein dämmriges Licht in diese Räume. Genau das sind die Lebensbedingungen, welche die Hirschzunge (Asplenium scolopendrium) bevorzugt; ein geschützter Farn unserer Region, den man sonst nur in Gebirgsschluchten findet. Hier aber wuchs er im Keller eines denkmalgeschützten Hauses dicht an der Küste.