„Wir sind noch einmal davongekommen!“
Die Auswirkungen der Hamburg-Sturmflut 1962 im Harlingerland von Axel Heinze

Westeraccumersiel
Die Schwiegereltern von Helga Wiechers berichteten, dass in Westeraccumersiel in der Nacht ein Bus bereit stand für die älteren Gemeindemitglieder, um sie in sichere Bereiche zu evakuieren. Er kam nicht mehr zum Einsatz, weil das Wasser nicht weiter stieg. Das Hochwasser war am 17.2.62 für Bensersiel vorausberechnet für 11 Uhr 09, erreichte aber bereits 2 Stunden 20 Minuten vorher um 8 Uhr 49 seinen höchsten Punkt und stieg dann nicht weiter. Offenbar hatte die Sturmflut ihren Zenit überschritten. Der Westeraccumersiel war, anders als 1717 und 1825, vor einer Zerstörung bewahrt geblieben.
An den Sielen gab es keine Schäden, da alle Sturmtüren rechtzeitig geschlossen wurden. In die Deichscharten waren die Bohlen eingelegt und die Zwischenräume dann mit Sand gefüllt worden. Zudem ist dieser Hafen nach Nordosten ausgerichtet, so dass die Sturmflut hier nicht so stark angreifen konnte. In dem Edenschen Hause hinter dem Westeraccumersieler Rettungsschuppen, und damit damals außendeichs, stand das Wasser bis an die Fensterbänke. Es wird erzählt, dass Frau Eden bei Sturmfluten immer auf dem Tisch saß, weil sie nicht aus dem Haus wollte.
Allerdings wird berichtet, dass sich beim höchsten Wasserstand zahlreiche Fischkutter im Hafen losgerissen hatten. Mehrere Männer bestiegen ein Boot und vertäuten die Schiffe an Telefonmasten, Zaunpfählen und anderen geeigneten Objekten. Losgerissene Schiffe können riesige Schäden an den Deichen verursachen, wenn sie von der Brandung immer wieder gegen den Deich geworfen werden.
Gründeich und Westerburer Polder
Der Landwirt und Obersielrichter a.D. Gerd Wessels aus Gründeich berichtet, dass er seine Frau mit den Kindern bereits nach Fulkum auf die Geest in Sicherheit gebracht hatte. Er selbst musste vor Ort bleiben, weil er einen der wenigen Telefonanschlüsse hinter dem Deich hatte.
Der Kolk im Gründeich vor ihrem Hof war durch den Deichbruch 1825 entstanden und 1962 konnte man von ihrem Hof aus bereits die Wellenköpfe vor dem Polder über dem Deich sehen.
Hermann Zeiger wohnte damals mit seiner Mutter am Strengeweg und arbeitete als Landarbeiter. Er kann sich noch gut an die Ereignisse im Westerburer Polder erinnern. Unmittelbar beim Hof Deters, dem östlichen Hof im Polder, war der Deich massiv geschädigt, ein 10 m breites Loch war in den Deich gerissen und der Polder stand unter Wasser. Der Polderdeich war damals niedriger als der Gründeich, der auch als Seedeich gewidmet war. Es gab noch keinen Deichverteidigungsweg, so dass die Kühe vom Hof durch das Wasser zum Gründeich geleitet werden mussten. Diese Arbeit leistete eine Bundeswehreinheit, die hier zum Deichschutz eingesetzt war.


Bensersiel


Neuharlingersiel

Harlesiel
Langeoog
Spiekeroog
Fazit

Das Bildmaterial wurde dankenswerterweise von der Deichacht Harlingerland zur Verfügung gestellt, die sachlichen Informationen stammen von Zeitzeugen oder aus den Materialien der K.-H.Wiechers-Stiftung in Dornumersiel.
























